2026-04-07
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Vorlesen von Leser*innenbriefen in der 5AM

Vorlesen von Leser*innenbriefen in der 5AM


„Eine neue Geschichte der Menschheit“, von David Graeber und David Wengrow,  zeigt egalitäre Gesellschaften vor 6000 Jahren und stimmt hoffnungsvoll

In Zeiten, in denen Demokratien durch autoritäre Systeme in Frage gestellt werden, ist es bedeutsam, zu lesen und vorzulesen, dass sich menschliche Gesellschaften in der Geschichte nicht nur für Monarchien und Aristokratien, sondern gerade auch für egalitäre und demokratische Gesellschaften entschieden haben. Im Fach Deutsch bei Prof. Utta Isop erarbeitete die 5AM ihre Leserbriefe zum Thema. Es liest Emily Scharner (5AM) ihren Leserbrief im Video vor und hier finden Sie die Auseinandersetzung von Isidor Reyes (5AM) mit einer neuen Geschichte der Menschheit schriftlich:  

Leser*innen-Brief von Isidor Reyes zu den ukrainischen Megastätten

Sehr geehrte Redaktion,

beim Lesen des Kapitels „Imaginäre Städte" des Buches „Anfänge" von David Graeber und David Wengrow, erschienen 2024 in Stuttgart im Klett-Cotta-Verlag, bin ich sehr überrascht, dass sich Menschen schon vor 6000 Jahren Gedanken darüber gemacht haben, wie sie am besten zusammenleben. Ich schreibe diesen Leserbrief, um meine Meinung zu teilen und eventuell neue Hypothesen zum Thema aufzustellen, denn das man muss sich mal vorstellen: Wir können von den ukrainischen Megastätten vor so langer Zeit selbst heute noch lernen!

Auf den Seiten 316-337 beschreiben die Autoren, dass die ukrainischen Megastätte meist keinen Herrscher haben, der in der Gesellschaft höher steht. Viele alte Städte handeln ja gemeinschaftlich und die Menschen helfen sich gleichberechtigt. Um zu demonstrieren, wie das funktioniert, nehmen sie als Beispiel die Kurzgeschichte "The Ones Who Walk Away From Omelas", in der es um die Stadt Omelas geht, die ebenfalls ohne Könige, Kriege oder Sklaven auskommt. Ob man das jetzt als „schöne Vorstellung" oder nicht sieht, ist jedem selbst überlassen, aber bei diesem Ziel tun sich Politiker heute scheinbar schwerer als damals.

Graeber und Wengrow schreiben auch, dass es falsch sei, glückliche Menschen „als dumm" zu betrachten. Da stimme ich ihnen eindeutig zu. Meiner Meinung nach sind Gesellschaften, die es schaffen, Kriege und Machtübernahme zu verhindern, um einiges schlauer und komplexer als die, die ständig Kriege führen. Dass sie dieses Ziel einigermaßen erreicht haben, zeigt, wie viel Gedanken sich über die Politik machen.

Ich finde ja, dass viele Geschichtsbücher die Entwicklung der Menschheit viel zu einfach darstellen. Oft werden nur die berühmten Herrscher wie Napoleon und Co. beschrieben. Das Kapitel beweist aber, dass Menschen schon vorher organisiert zusammenleben. Die Autoren beschreiben die Megastätten wie übergroße Dörfer, in denen alle gleichberechtigt leben.

Außerdem passen die Ideen und Argumente gut zu aktuellen Diskussionen über soziale Gerechtigkeit. Denn diese Diskussionen sind nichts anderes als das, was die frühen ukrainischen Megastätte ausprobieren. Heutzutage gibt es zum Beispiel sogenannte „Ökodörfer", die an diese Strukturen früherer Städte erinnern.

Jedenfalls möchte ich darauf hinweisen, dass diese „einfachen" Völker eigentlich alles andere als „einfach" sind. Menschen, die Kriege verhindern können, verdienen unseren eindeutigen Respekt!

Ich fordere hiermit alle Politiker*innen auf, sich ein Beispiel an den ukrainischen Megastätten zu nehmen und aus der Geschichte zu lernen! Wozu wird denn Geschichte an den Schulen unterrichtet? Um die gleichen Fehler zu machen? Ganz bestimmt nicht! Ich weiß, dass es meistens nicht so einfach ist, wie es scheint, ein Land zu regieren, aber ein bisschen Bemühen ist wohl zu erwarten!

Herzlichen Dank für Ihr Interesse!

Isidor Reyes

Omelastraße13

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